August Horch Museum Zwickau

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Leben und Werk des August Horch 

Dass Audi und Horch eng miteinander verknüpft sind, wissen nur Insider: Beide Autofirmen wurden von August Horch gegründet. Es lohnt sich daher, das August Horch Museum in Zwickau aufzusuchen, um mehr über diesen Pionier und seine „Kinder“ zu erfahren.

Das August Horch Museum in Zwickau ist ein modernes Museum, in dem sich vortrefflich das Lebenswerk des Namensspenders studieren lässt.

Jede Menge Augenschmeichler gibt es im Museum zu bestaunen. Zudem wird ein Überblick geboten, welche Umstände zum weltbekannten Audi-Logo führten.

Dass der ausschließliche Besuch einer Volksschule kein Nachteil sein muss, bewies kein geringerer als August Horch, der mit hartnäckigem Fleiß viele unüberwindbar geglaubte Mauern erklomm und nach sechs Semestern sein Studium zum Ingenieur mit der Note ›Gut‹ abschloss. Unter seinen Händen wurden zwei Automobilfirmen geformt, die Geschichte schrieben und im Fall von Audi noch schreiben.

Als Schmiedegeselle ging August Horch auf die Walz, in der er seinen Drang stillte, ständig Neues dazulernen zu wollen. Das damals gesammelte Wissen war der Grund, am 13. August 1888 am Technikum in Mittweida ein Studium aufzunehmen. Zwar hatte er am Ende seines Studiums sich schon mit der Konstruktion von Maschinen und Motoren beschäftigt, doch vom Automobil hatte er noch nichts gehört.

Ein Schlüsselmoment war 1896 die Vorführung eines Motorrades von Hildebrand & Wolfmüller auf der Leipziger Pferderennbahn. Der Gedanke, Motoren in Wagen einzubauen, ließ ihn fortan nicht mehr los. Kurzerhand bewarb er sich bei Carl Benz und wurde prompt eingestellt. Schon nach vier Monaten stieg er zum Leiter des Motorenwagenbaus auf. Nachdem er sich mit neuen Ideen und Verbesserungen bei Benz nicht durchsetzen konnte, kündigte er nach drei Jahren und gründete am 14. November 1899 sein eigenes Unternehmen im Kölner Stadtteil Ehrenfeld.

Audi und Horch sind Automarken, die beide dem Genie von August Horch entsprungen sind. Dies dokumentieren nicht zuletzt der Horch Phaeton (rechts) und der Audi Phaeton, beide aus 1911 (links).

Elanvoller Anfang

Was aus diesem Engagement geworden ist, kann heute im ehemaligen Zwickauer Audi-Werk besichtigt werden, das zu einem bemerkenswerten Museum ausgebaut wurde. Hier ist zum Beispiel ein Nachbau des Horch ›Model 1 Phaeton‹ zu sehen. Diesen 5 PS starken und rund 700 kg schweren Wagen hat Horch im Jahre 1900 in Köln entwickelt. Der liegende Zweizylinder-Viertaktmotor verlieh dem Wagen eine Geschwindigkeit von 30 km/h und verbrauchte auf 100 Kilometer rund 15 Liter Sprit.

Das Genie von August Horch zeigte sich auch in seiner Eigenschaft, nicht mit dem Strom zu schwimmen, sondern eigene Ideen zu verwirklichen. So baute er 1902 in das ›Model 2 Tonneau‹ bereits eine damals revolutionäre Kardanwelle anstelle der damals üblichen Kette oder Riemen ein. Er erkannte auch die Wichtigkeit von Wettfahrten, um seine Fahrzeuge weiterzuentwickeln, damit diese eine möglichst hohe Zuverlässigkeit erreichen konnten.

Der ›Horch 750 Pullmanlimousine‹ von 1933 wurde nach dem 2. Weltkrieg beschlagnahmt und diente dem U.S. Army-General Lucius D. Clay als Dienstwagen.

Sinnvolle Wettbewerbe

1901 wurde er beispielsweise von einem Karosserielieferanten in einem Falke-Wagen herausgefordert und verlor, da eine Reihe von Defekten zu beklagen waren. Zahlreiche Verbesserungen verhalfen ihm jedoch bei der Revanche zum Sieg. Fortan wurden Erfolge für Werbezwecke genutzt und an zahlreichen Rennen teilgenommen. Am Rande sei vermerkt, dass August Horch nie einen Führerschein besaß!

Heute wie damals war das Thema ›Gewinnmaximierung‹ in den Unternehmen eine wichtige Triebfeder. Nicht so für August Horch, der sich daher mit der Unternehmensführung überwarf. Dies führte dazu, dass er 1909 das von ihm gegründete Unternehmen verließ und Audi gründete. Es gelang ihm, wichtige Mitarbeiter und ihm wohlgesonnene Aktionäre mitzuziehen, die ihn beim Neuanfang unterstützten. Zunächst brachte er den Automobilbau in das sächsische Städtchen Reichenbach, dann nach Zwickau, wo in einer ehemaligen Segeltuchweberei der Grundstein für eine der bedeutendsten Marken der Luxusklasse gelegt wurde.

Notwendige Fusion

Die Museumsmacher haben sich viel Mühe gegeben, die Fahrzeuge interessant zu präsentieren.

Diese Handfertigkeit kam auch Blaise Pascal zugute, der 1642 die ›Pascaline‹ erfand. Dies war eine mechanische Rechenmaschine, die es im Original ebenfalls im Museum zu bewundern gibt. Dieser Geniestreich stammt von 1650 und ist das einzige Exemplar, das außerhalb Frankreichs in einer öffentlichen Sammlung zu sehen ist. Auch hier wurde keine Mühe gescheut, den Funktionsmechanismus mittels Animationen den Besuchern zu erläutern. Es ist sogar möglich, eine virtuelle Maschine zu nutzen und eigene Berechnungen anzustellen.

Auch die im Museum ausgestellten Taschen-, Kamin- und Standuhren haben mehrere Blicke verdient, sind diese doch in späteren Jahren mit einer ähnlichen Hingabe produziert worden, wie die zuvor entstandenen Rechenmaschinen, Entfernungsmesser, Experimentierapparate und Teleskope. Ein besonderer Hingucker ist beispielsweise die 1807 von Johann Heinrich Seyffert gebaute Taschenuhr. Die Uhr zeichnete sich durch eine hohe Ganggenauigkeit aus und fällt durch ein Ziffernblatt auf, in dem für Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger jeweils eigene Ziffernringe angebracht sind.

Von dieser Uhr war auch der Naturforscher Alexander von Humboldt angetan, der von Seyffert ein Exemplar für seine Expeditionen erwarb.Auch Weltzeituhren sind keine Erfindung heutiger Tüftler. Schon 1690 ersann Andreas Gärtner die heute im Museum zu bewundernde Weltzeituhr, die mit einem verblüffend einfachen Mechanismus aufwartet, den man sich unbedingt im Rahmen einer Führung erläutern lassen sollte.

Nach dem 2. Weltkrieg ging es in Zwickau mit dem Autobau weiter, wie dieser aufgeschnittene Trabant zeigt.

Neuanfang

Maschinen veränderten die Autoproduktion. Mitte der 1930er Jahre begann in Deutschland die Kraftwagen-Massenfertigung.

Überhaupt wird die Automobilgeschichte von Zwickau sehr umfassend geschildert. So kann hier nachvollzogen werden, was nach dem 2. Weltkrieg geschah: Die Alliierten liquidierten alle Unternehmen in Staatsbesitz. Aus den Resten werden die Motorradwerke Zschopau, der Volkseigene Betrieb Sachsenring, das Automobilwerk Zwickau und der Lastwagenbauer Barkas.

Auch diese Geschichte wird im Horch-Museum umfassend geschildert. Es ist daher nahezu unmöglich, ohne Pause an einem einzigen Tag das Museum zu ergründen. Zu viele Exponate sind zu besichtigen, die zu längerem Verweilen einladen. Insbesondere Besucher aus dem Westen Deutschlands werden länger als geplant die damals gebauten Ost-Modelle begutachten, die heute vielfach nicht mehr im Straßenbild zugegen sind. Dazu gehört zum Beispiel der Trabant, der zu DDR-Zeiten praktisch das östliche Pendant zum westlichen VW-Käfer war.

Hier kann sehr schön nachvollzogen werden, was ein Mangel an Werkstoffen in den Köpfen derjenigen bewirkt, die die Aufgabe haben, den Mangel auszugleichen. Mit großer Fantasie wurde zum Beispiel Ersatz für fehlende Feinbleche gesucht und in Duroplast gefunden. Damit war es möglich, Karosserieteile herzustellen, die sogar den West-Modellen bezüglich eines großen Problems den Rang abliefen: Rost war bei diesem Werkstoff kein Thema.

Interessante Technik

Höchst interessant ist auch die Abteilung, in der gezeigt wird, wie damals die Karosserie für den Trabant gefertigt wurde.

Im Museum ist sogar die weltweit letzte Fertigungsanlage für dieses Material zu sehen. Hier kann sehr schön nachvollzogen werden, dass in einer Trabant-Karosserie jede Menge clevere Ideen steckten. Beispielsweise wurden Baumwollfasern aus Abfällen der DDR-Textilproduktion sowie nicht verspinnbare, kurze Baumwollkämmlinge aus der Sowjetunion verwendet. Diese wurden mit Phenolharz getränkt und in speziell entwickelten heiz- und kühlbaren Niederdruckwerkzeugen in Form gepresst. Nach dem Zuschneiden waren die so entstandenen Duroplast-Karosserieteile montagefertig.

Nach der Wende wollte natürlich niemand mehr einen Trabant kaufen. Fünf Millionen Bestellungen lösten sich ins Nichts auf und die Pkw-Fertigung in Zwickau stand vor dem Ende. Weitsichtig wurde bereits im Vorfeld das Gemeinschaftsunternehmen ›VW-IFA-Personenkraftwagen GmbH‹ gegründet, aus der die Volkswagen Sachsen GmbH hervorging. So konnte nahtlos an das Ende der Trabant-Produktion die Fertigung des VW Polo anlaufen. Natürlich ist auch dazu jede Menge Interessantes im Museum zu erfahren.

Am Ende seiner Besichtigung kann der Besucher feststellen, dass aus der Leidenschaft des August Horch Marken und Unternehmen von Weltgeltung entstanden waren. Somit hat sich der am 3. Februar 1951 in Münchberg verstorbene Autopionier ein wohl immerwährendes Denkmal gesetzt. Es sollte nicht wundern, wenn dereinst ein ganz besonderes Kraftfahrzeug wieder den Namen Horch bekäme, steht dieser doch wie kein Zweiter für Innovation, Fortschritt und höchste Qualität.

Mit frischen Ideen wurde versucht, neue Käuferschichten zu erreichen.

Kontaktdaten August Horch Museum Zwickau

August Horch Museum Zwickau gGmbH

Audistraße 7

08058 Zwickau

Tel.: 0375 27 17 380

Fax: 0375 27 17 38 11

E-Mail: info@horch-museum.de

www.horch-museum.de


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