„Relais“ – ein Top-Programm für einfache Relais-Schaltungen
Das Fach Steuerungstechnik ist in vielen technischen Berufen Bestandteil der Ausbildung. Auszubildende lernen in diesem Fach beispielsweise, wie eine Selbsthaltung funktioniert oder Aktoren korrekt angesteuert werden. Dreh- und Angelpunkt solcher Schaltungen sind vielfach sogenannte Relais. Um derartige Schaltungen gefahrlos und in Echtzeit testen zu können, eignet sich bestens das Programm „Relais“ von Burkhard Brauer, mit dem Relais-Schaltungen sehr einfach erstellt und getestet werden können.
Dank deren Robustheit und leichten Handhabung hat bereits Konrad Zuse diese Elektronik-Bausteine für seine Computer Z3, Z4 und Z11 verwendet. Derartigen Rechnern kann beim Arbeiten zugesehen werden, was für das Verständnis der Funktionsweise eines Computers von großem Wert ist.
Damit seine Rechner zuverlässig arbeiteten, hat Konrad Zuse damals dafür handverlesene und getestete Relais aus der Telefontechnik verwendet.
Ein Relais besitzt eine Spule, in deren Mitte ein Weicheisenkern eingelassen ist. Wird die Spule nun von Strom durchflossen, wird vom sich aufbauenden Magnetfeld ein Kontaktblech, der sogenannte Anker, angezogen. An diesem Kontaktblech sind weitere Kontaktbleche befestigt, die zwangsweise mitbewegt werden und dabei Kontakte öffnen beziehungsweise schließen. Auf diese Weise werden Strompfade im Leistungsteil geöffnet (Öffner) beziehungsweise geschlossen (Schließer).
Relaisrechner machen durch das Öffnen und Schließen von Kontakten sehr anschaulich das Binärprinzip deutlich, das auf den Zahlen 0 und 1 fußt. In einem Relais ergibt sich durch eine 0 ein offener Kontakt, wodurch ein Stromfluss unterbrochen wird. Die Zahl 1 hingegen bedeutet einen geschlossenen Kontakt, durch den nun Strom fließen kann.
Dieses Prinzip ist auch in Lochstreifen, Kernspeichern sowie Lochkarten zu finden und lässt sich dazu nutzen, Daten zu speichern sowie Berechnungen durchzuführen.
Relais besitzen für den Leistungsteil oft mehrere Öffner, Schließer oder Wechsler. Diese werden im Schaltplan mit dem entsprechenden Symbol sowie dem mit einer fortlaufenden Nummer versehenen Buchstaben „K“ kenntlich gemacht.
Das Programm „Relais“ kann direkt von der Homepage von Burkhard Brauer heruntergeladen werden. Nach dem Download liegt es als selbstentpackende Exe-Datei vor und kann per Doppelklick in ein beliebiges Verzeichnis entpackt werden. Der Programmstart erfolgt wiederum per Doppelklick auf „Relais.exe“. Alternativ kann eine Verknüpfung auf dem Windows-Desktop angelegt werden, was einen noch bequemeren Start des Programms erlaubt.
Nachdem das Programm gestartet wurde, präsentiert sich ein links angebrachtes Bedienfeld sowie ein noch leerer Zeichenbereich mit 30 Spalten.
Um nun Bauteile in den Zeichenbereich einzubauen, ist in der Auswahlbox das gewünschte Bauteil auszuwählen.
Anschließend wird das gewählte Bauteil per Mauszeiger auf einen Spaltenpunkt geschoben und per Linksklick dort verankert.
Um in den Simulationsmodus umzuschalten, ist im Auswahlfeld „Simulation“ die Option „Start“ anzuwählen. Unmittelbar darauf berechnet das Programm, wie sich in der Ruhestellung der Schaltung die einzelnen Bauteile verhalten und welche Relais bereits mit Strom versorgt werden, somit aktiv sind. In diesem Beispiel ist bereits in der Ruhestellung das Relais „K2“ erregt, was durch die hellrote Farbe kenntlich gemacht wird. Das Relais „K1“ hingegen ist nicht stromdurchflossen, demnach nicht erregt, was mittels dunkelroter Farbe kenntlich gemacht wird.
Relais sind ideal geeignet, um sogenannte Selbsthaltungen aufzubauen. Das sind Schaltungen, die sich ein einmal anliegendes Signal solange merken, bis ein Gegensignal erzeugt beziehungsweise der Stromfluss unterbrochen wird. Dies wurde in nachfolgender Schaltung umgesetzt: Nachdem der Taster „S1“ betätigt wurde, wird das Relais „K1“ erregt, woraufhin ein Schließer von „K1“ geschlossen wird. Nun erfolgt der Stromfluss zum Relais auch direkt über den Schließer des Relais, sodass der Taster „S1“ nicht mehr weiter betätigt werden muss, um das Relais im erregten Zustand zu halten.
Mit „Relais“ werden einige Beispiele mitgeliefert, die aufzeigen, dass mit diesem Programm sehr weitgehende Schaltungen möglich sind. So gibt es beispielsweise eine Blinker-Schaltung, die mit zwei ein- und ausschaltverzögerten Zeitrelais arbeitet, wobei die Verzögerungszeiten in einem eigenen Fenster eingegeben werden können.
Sehr interessant ist auch eine sogenannte Wende-Schützschaltung, mit der es möglich ist, die Drehrichtung eines Drehstrommotors zu ändern. In diesem Beispiel werden Lampen verwendet, die optisch demonstrieren, dass sich ein Motor nun andersherum wie zuvor dreht.
Und wer sich dafür interessiert, wie damals Konrad Zuse seine Relais-Schaltung für seine Rechner aufbaute, kann auch dies ebenfalls mit dem Simulator machen! Ein einfaches Beispiel zum Addieren von Zahlen zwischen 1 und 3 könnte wie folgt aussehen:
Dabei übernehmen die Taster S1 bis S3 die Funktion der Zahlentasten eins bis drei, während die Tasten S4 und S5 für die Enter-Funktion beziehungsweise Reset-Funktion zuständig sind. Das Ergebnis wird mit Lampen angezeigt, wobei die Lampe H1 für der Wert 1 und folglich die Lampe H5 für den Wert 5 steht.
Werden nacheinander die Tasten S1 und S3 betätigt, passiert noch nichts, jedoch werden die entsprechenden Relais erregt und schalten daher um, was der Simulator anzeigt. Wird anschließend die Taste S4 betätigt (Enter), so wird das Ergebnis der Multiplikation von 1+3 berechnet, weshalb nun die Lampe H4 aufleuchtet, die den Wert 4 repräsentiert.
Über die Taste S5 wird ein Reset durchgeführt, wodurch eine neue Berechnung vorgenommen werden kann. Übrigens ist die Schaltung so aufgebaut, dass zu einer einzelnen Zahl stets der Wert 0 hinzuaddiert wird, weshalb das Betätigen beispielsweise der Tasten S1 und S4 als Ergebnis die Lampe H1 aufleuchten lässt, die die Zahl 1 repräsentiert.
Somit zeigt sich, dass das Programm „Relais“ sich sehr gut für die Ausbildung eignet, zumal es als sogenannte „Stickware“ von einem USB-Stick geladen werden kann, um es im Unterricht zu nutzen.
Wer will, kann mit nachfolgendem Button den Plus-Rechner herunterladen und diesen weiter ausbauen. Dies ist sehr reizvoll, zumal sich dieser Rechner nach korrekt durchlaufener Simulation anschließend problemlos real aufbauen lässt. Es muss ja nicht gleich ein Bolide mit den Abmessungen einer Z11 sein.