Viel Land für wenig Strom
Vernichtung von Agrarland und Bauernhöfen durch Photovoltaik
Kanzler Merz will mit seiner CDU die Energiewende ohne Einschränkungen weiter treiben. Warum dies ein Irrweg ist, legt Prof. Appel mit fundierten Zahlen dar.
In der Wilhelmshavener Zeitung wurde am 14. November 2025 auf der ersten Seite über den Bau einer Photovoltaik-Anlage im Ortsteil Voslapp mit für den Laien beeindruckenden Zahlen berichtet. Der verstaatlichte Energiekonzern Uniper – die Aktionäre wurden bisher nicht entschädigt – will 25.500 Photovoltaik-Module auf rund 14 Hektar montieren. Pro Jahr sollen dort 17.500 Megawattstunden (17,5 Millionen kWh) Strom gewonnen werden. Doch ist das wirklich beeindruckend? Dazu sollte man ein wenig rechnen.
Die Anlage mit 20 Megawatt (MW) installierter Leistung leistet im Jahresmittel nur 2 Megawatt. Die Leistung schwankt zwischen Null in der Nacht und 14 MW an wolkenlosen Sommertagen. Sie ist nicht planbar und kann nur abgeregelt (vernichtet) werden. Auf die gleiche Fläche passt das Kohlekraftwerk Wilhelmshaven mit einer plan- und regelbaren Leistung von mehr als 700 MW. Für 1 Hektar (10.000 m²) Photovoltaik liegt die mittlere Leistung bei 140 Kilowatt (kW). Diese Leistung liefern Mittelklasse-PKWs, die nur einen Stellplatz von 10 m² brauchen.
(Zur Rechnung: 17.500 MWh Jahreserzeugung, geteilt durch 8.760 Jahresstunden, ergeben eine mittlere Jahresleistung von 2 MW für die Anlage. Pro Hektar sind es 140 kW.)
Hohe Kosten für geringe Leistungen
Zu den Kosten der Anlage wurden keine Angaben gemacht. Der Richtwert für auf Feldern montierte Photovoltaikanlagen ist 0,5 Millionen Euro pro installierten Megawatt. In Voslapp müssen 20 MW Leistung für 10 Millionen Euro installiert werden, denn Photovoltaik-Anlagen liefern als mittlere Leistung nur 10 % der installierten Leistung. Kraftwerke leisten dagegen ihre installierte Leistung jederzeit und können kurzfristig sogar 10 % überlastet werden. Kraftwerke kosten nur 40 Prozent von Photovoltaikanlagen pro MW immer verfügbarer Leistung.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert eine Einspeisevergütung für Solarstrom von rund 7 Ct/kWh. Unter der Annahme, dass die jährlichen Finanzierungs- und Betriebskosten 10 % der Investitionen betragen, wird der Strom für 5,7 Ct/kWh erzeugt. Das ist ein Bruttogewinn von 225.000 Euro/Jahr für den Betreiber, der über 20 Jahre gesetzlich garantiert wird. Die Kosten und Probleme zur Entsorgung der Anlage nach der Vergütungszeit werden nicht beachtet. Sie kommen auf den Grundstückeigentümer zu, denn der Betreiber wird ohne Einspeisevergütung insolvent.
Wird Weizen auf einer Fläche von 14 Hektar angebaut, werden 21.000 Euro erlöst. Dazu kommen noch Agra-Subventionen der EU nach umfangreichen und für den Laien unverständlichen Regelungen, die nochmals die gleiche Summe erreichen können. Mit Ackerland werden nur rund 20 % des Bruttogewinns von Freiflächen-Photovoltaik erlöst. Von diesem Erlös müssen noch die Betriebskosten des Hofes bestritten werden.
Die Pachten für Ackerland liegen bei 300 bis 400 Euro/Hektar. Etwa 2/3 der landwirtschaftlichen Flächen sind Pachtland von den Höfen, die in den letzten Jahrzehnten aufgegeben wurden. Die Flächen mit 30 bis 40 Hektar waren zu klein, um die benötigten Maschinen auszulasten. Sie wurden von Nachbarbetrieben gepachtet, die so eine wirtschaftliche Größe von 100 bis 150 Hektar erreichen. Doch mit den hohen Einspeisesubventionen sind Photovoltaik-Anlagen auf Feldern viel lukrativer. Dafür werden Pachten bis zu 3000 Euro/Hektar gezahlt.
Als Folge dieser Politik werden viele landwirtschaftliche Betriebe in die Insolvenz getrieben. Denn die Verpächter werden Pachten nicht verlängern, sondern an Photovoltaik-Betreiber verpachten. Damit steigen ihre Pachteinnahmen von 10.000 auf 100.000 Euro/Jahr. Diese Möglichkeit wird kaum einer ausschlagen. Wenn dem Pächter dann ein Drittel seiner Anbaufläche genommen wird, ist die Auslastung seiner Maschinen zu gering. Er geht Pleite. Diese zwangsläufige Entwicklung dürfte den grünen Energiewende-Politikern wohl nicht klar sein.
Schwankender Solar- und Windstrom verursacht hohe Kosten
Mit der Fortführung der Energiewende wird nicht nur unsere Ernährungsbasis geschwächt, sondern auch unsere Wirtschaft. Denn der Strom wird mit jeder weiteren Solar- und Windstromanlage teurer. Dieser vom Wetter abhängige, stark schwankende Strom muss von Kraftwerken auf den Bedarf geregelt werden. Die Regelkosten für unser Stromnetz sind durch die Energiewende von 100 Millionen Euro jährlich auf über 4.000 Millionen angestiegen. Für die Überbrückung von Dunkelflauten werden teure Speicher gebraucht. Beim Speichern gehen rund 30 % des Stroms verloren. Überschüssiger Wind- und Solarstrom, der teuer vergütet wurde, muss verschenkt oder sogar unter Zuzahlung (negative Börsenpreise) entsorgt werden, um das Stromnetz nicht zu überlasten.
Das war im letzten Jahr über mehr als 400 Stunden der Fall. Nach Medienberichten sollen inzwischen 30 % des gelobten grünen Stroms diesen Weg gehen. Die Kosten erhöhen kräftig den Strompreis, den der Kunde bezahlen muss. Nur ein Ende der Energiewende kann Abhilfe schaffen.
Doch dazu besteht wenig Hoffnung. Wir haben inzwischen mehr als 5 Millionen Solarstromanlagen, vorwiegend Kleinanlagen auf Dächern. Die Betreiber rechnen sich einen Vorteil aus. Das dürfte auch der Fall sein, wenn der Strom selbst genutzt wird und nur in der dunklen Jahreszeit Netzstrom bezogen wird. Viele Solarstrombetreiber glauben, sie würden zum Stromsparen und damit zur Weltklimarettung beitragen. Das ist falsch. Das gesamte Stromnetz mit Regelkraftwerken muss bereit stehen, damit sie bei Bedarf jederzeit Strom aus dem Netz ziehen können. Sie zahlen aber für das Netz viel weniger mit ihren geringerem Netzstromverbrauch als der Normalkunde. Auch die Entsorgungskosten des von ihnen eingespeisten Überschussstroms werden auf alle Stromkunden umgelegt. Für den Solarstrombetreiber wird der Strom billiger, für die vielen Normalkunden, die keine Mittel für eine Solaranlage haben, wird der Strom teurer. Es ist eine Umverteilung von unten nach oben.
Regierung geht mit der Energiewende auf Stimmenfang
Die Regierung unter Merz propagiert und subventioniert weitere Solarstromanlagen trotz steigender Überschussmengen, deren Entsorgung immer teurer wird. Das ist keine sinnvolle Energiepolitik. Sie wird allerdings verständlich, wenn man davon ausgeht, dass die Betreiber von Solaranlagen Profiteure der Energiewende sind. Diese Profiteure werden die Parteien wählen, die für die Energiewende sind. Kanzler Merz will mit seiner CDU die Energiewende ohne Einschränkungen weiter treiben. Seine Politik, die Zahl der Solaranlagen weiter zu erhöhen, soll mehr Solarprofiteure zu CDU-Wählern machen.
Auch in der AfD gibt es Betreiber oder Teilhaber von Wind- und Solaranlagen. Entweder scheinen sie zu glauben, Strom aus Sonne und Wind sei gesamtwirtschaftlich sinnvoll und helfe, das Klima zu schützen. Oder aber sie wollen an der Energiewende-Subventionierei auch persönlich teilhaben. Andere stimmen als Ratsmitglieder in Kommunen für Windgeneratoren, um die Gemeindefinanzen aufzubessern. Der Staat besticht die Gemeinden. Sie erhalten von jeder erzeugten Kilowattstunde aus Wind auf ihrem Gebiet 0,5 Cent. Verwaltungen wie Ratsherren ist wohl nicht klar, dass Windgeneratoren und Photovoltaik die Stromkosten immer weiter in die Höhe treiben. Windgeneratoren und Photovoltaik-Anlagen sind keine Wertschöpfung, sondern Vernichtung von Volksvermögen.
Viele andere Staaten haben das erkannt und wenden sich wieder den fossilen und nuklearen Brennstoffen zu. Denn nur sichere und preiswerte Energie kann einen Fortschritt bringen. Bald dürfte Deutschland das letzte Land sein, das die Energiewende in den wirtschaftlichen Abgrund weitertreibt.